kommunion und kommunikation

Privatisierung ist keine Entscheidung politischer Parteien, den Staatshaushalt zu sanieren. Privatisierung findet in allen Wohnzimmern statt, wo der Fernsehabend dem kulturellen Ereignis in der Stadt vorgezogen wird, wo Familienbesuche wichtiger sind als eine Pfarrgemeinderatssitzung, und wo man sich Meinungen bildet durch Zeitunglesen statt durch Diskutieren. Dass gut organisierte Ortskerne mit Kommunikationszentren, wo Menschen Gelegenheit zum Austausch hatten, durch wild wuchernde Siedlungen umschlossen werden, in denen jeder für sich selbst und seinen Garten lebt, um nach seiner eigenen Farcon selig zu werden, zementiert die Privatisierung für die nächsten Jahrzehnte.
Dagegen spricht die ganze Bibel von Volk Gottes, von Gemeinde. Die Propheten des alten Testaments erwarten den Messias, der das uneinige und zerstreute Volk sammeln soll wie der Hirt seine Herde. Die Menschen brauchen Hilfe, um ihre partikulären Einzelinteressen zu überwinden. Jesus Christus ist der Kommunikator, der die Menschen aus ihren Privatwelten, in denen sie Fischer oder Zöllner waren, herausruft und dem nahen Reich Gottes entgegenführt. Die junge Christengemeinde bildete eine Gemeinschaft – sie waren sogar ein Herz und eine Seele (Apg 2-4). Damit scheint der Auftrag an heutige Gemeinden deutlich zu sein.
Die Gemeinde versammelt sich um das Geheimnis der Gegenwart des Gottes, der sein Volk nicht im Stich läßt. Jesus Christus hat die beziehungsfeindliche Gewalt menschlicher Privatinteressen erlitten, die zum Tod führen. Die Feier seiner Auferstehung stiftet neue Gemeinschaft mit Gott sowie unter den Menschen.
In unserer Kirche steht der Gabentisch in der Mitte zwischen den Sitzreihen, und dort stehen auch die Altarkerzen. Sie zu entzünden und zum Altar zu tragen bitte ich jeweils unmittelbar vor der Messe zwei Menschen, bevorzugt solche, die noch nicht aktiv sind in der Gemeinde. Und wenn die Feier des Glaubens tatsächlich Menschen bewegt hat, dann wäre es unpassend, danach einfach schnurstracks nach Hause zu gehen. Dann wird noch nach Austausch gesucht und nach ungezwungenem Beisammensein. Wir haben deshalb ein Pfarrcafe eingeführt, das jeden Sonntag nach der Messe stattfindet. Und es hat sich bereits als Segen erwiesen! Es gibt mehrere Teams, die abwechselnd vorbereiten. Viele neue Beziehungen haben sich gebildet zwischen Mitarbeitern, die sonst nicht miteinander zu tun haben. Viele Arbeitsgespräche finden statt bei Kaffee und Kuchen. Es gibt Glaubensgespräche, besonders mit Brautpaaren, die ich in die Messe einlade. Besonders freut mich, dass es nun einen Ort gibt, zu dem auch Fremde einladen werden können, die zum ersten Mal unsere Messe besucht haben. Es wäre ein Unglück, wenn niemand sie bemerkt und angesprochen hätte!

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