Tunis
Tunis wartet.
Maenner und Frauen bevoelkern die Strassen und Plaetze - man kann nicht sagen, flanieren, dazu fehlt ihnen die Leichtigkeit, sie laufen auch nicht geschaeftig, schon gar nicht hektisch.
Nein, ueberdruessig gehen sie ihre Wege ab, mit Aufwand betreiben sie ihre Stadt, tragen die Plastiksaecke vom Basar freudlos, ohne Leidenschaft. Es liegt eine Lethargie ueber der Stadt, etwas Ausstaendiges liegt in der Luft.
Tunis ist nicht geheimnisvoll wie Tanger und nicht betriebsam wie Marrakesch. Ihm fehlt das Selbstbewusstsein Kairos, die Selbstverstaendlichkeit Ammans zusammen mit der Ausrede des Ramadan, und erst recht der Uebermut Beiruts. Tunis schleppt sich durch den Tag.
Fast alle sind gekleidet wie Europaeer, einige halten ihr Handy ans Ohr, manche starren aufs Display. Frauen tragen das Haar wallend offen oder zu einem Knopf gebunden. Maenner stehen hinter Verkaufstischen am Gehsteig und lassen den Tag und die Passanten gleichmuetig vorueberziehen. Selbst in den prominenten Touristensuqs rund um die Zitouna-Moschee weisen die Haendler stumm oder mit einem freundlichen Wort auf die ausgestellte Pracht an Teppichen oder Parfuems in ihrem Laden, ohne aufdringlich mich einzigen Toursisten in Gespraeche zu verwickeln und hineinzulocken. Ja sogar die Moschee selbst wartet geduldig auf Glaeubige und Besucher, die wegen der Renovierung den ganzen Tag ausgesperrt sind bis auf das Mittagsgebet.
Mit Muehe stehen die Burschen auf und beginnen, einander den Ball zuzuwerfen, gerade als ich voruebergehe, und bestimmt stellen sie das sofort wieder ein, nachdem ich durch den engen Torbogen verschwunden bin. In Fes waere sofort ein selbsternannter Reisefuehrer aufgesprungen, um mich durch die Gassen zu lotsen, als ich bei den auf orangenen Plastikstuehlen kauernden Maennern auftauche und zuerst in die eine Gasse, und sodann in die gegenueberliegende tappe. Es ist so wie bei jenem jungen Mann am Nebentisch im Restaurant am Place de la Victoire neben dem Bab el Bhar, der ploetzlich von seinem Tisch aufspringt, ein paar Schritte macht, innehaelt und auf etwas oberhalb aller Koepfe starrt, das niemand ausser ihm sehen kann. Danach scheint er zu sich zu kommen, er blickt um sich und kehrt wieder an seinen Tisch zurueck, wo die beiden anderen den Vorfall nicht bemerkt zu haben scheinen. Es passiert nichts, ausser in einer anderen Welt.








Maenner und Frauen bevoelkern die Strassen und Plaetze - man kann nicht sagen, flanieren, dazu fehlt ihnen die Leichtigkeit, sie laufen auch nicht geschaeftig, schon gar nicht hektisch.
Nein, ueberdruessig gehen sie ihre Wege ab, mit Aufwand betreiben sie ihre Stadt, tragen die Plastiksaecke vom Basar freudlos, ohne Leidenschaft. Es liegt eine Lethargie ueber der Stadt, etwas Ausstaendiges liegt in der Luft.
Tunis ist nicht geheimnisvoll wie Tanger und nicht betriebsam wie Marrakesch. Ihm fehlt das Selbstbewusstsein Kairos, die Selbstverstaendlichkeit Ammans zusammen mit der Ausrede des Ramadan, und erst recht der Uebermut Beiruts. Tunis schleppt sich durch den Tag.
Fast alle sind gekleidet wie Europaeer, einige halten ihr Handy ans Ohr, manche starren aufs Display. Frauen tragen das Haar wallend offen oder zu einem Knopf gebunden. Maenner stehen hinter Verkaufstischen am Gehsteig und lassen den Tag und die Passanten gleichmuetig vorueberziehen. Selbst in den prominenten Touristensuqs rund um die Zitouna-Moschee weisen die Haendler stumm oder mit einem freundlichen Wort auf die ausgestellte Pracht an Teppichen oder Parfuems in ihrem Laden, ohne aufdringlich mich einzigen Toursisten in Gespraeche zu verwickeln und hineinzulocken. Ja sogar die Moschee selbst wartet geduldig auf Glaeubige und Besucher, die wegen der Renovierung den ganzen Tag ausgesperrt sind bis auf das Mittagsgebet.
Mit Muehe stehen die Burschen auf und beginnen, einander den Ball zuzuwerfen, gerade als ich voruebergehe, und bestimmt stellen sie das sofort wieder ein, nachdem ich durch den engen Torbogen verschwunden bin. In Fes waere sofort ein selbsternannter Reisefuehrer aufgesprungen, um mich durch die Gassen zu lotsen, als ich bei den auf orangenen Plastikstuehlen kauernden Maennern auftauche und zuerst in die eine Gasse, und sodann in die gegenueberliegende tappe. Es ist so wie bei jenem jungen Mann am Nebentisch im Restaurant am Place de la Victoire neben dem Bab el Bhar, der ploetzlich von seinem Tisch aufspringt, ein paar Schritte macht, innehaelt und auf etwas oberhalb aller Koepfe starrt, das niemand ausser ihm sehen kann. Danach scheint er zu sich zu kommen, er blickt um sich und kehrt wieder an seinen Tisch zurueck, wo die beiden anderen den Vorfall nicht bemerkt zu haben scheinen. Es passiert nichts, ausser in einer anderen Welt.








weichensteller - 2. Aug, 17:49