Samstag, 2. Februar 2008

zwischenergebnisse kinderpastoral

Was alles auseinandersteht in einer säkularen Pfarre wie unserer, die erst seit 40 Jahren besteht, in einem Stadtrandbereich ohne Identifikation, mit wenigen Dorfresten, die nicht kirchlich waren, einigen Gemeindebauten und Eisenbahnersiedlungen, die traditionell antikirchlich sind, und hoher Mobilität: viele junge Leute von anderswoher, für ein paar Jahre hier. Kinder, die in kurzer Zeit einen Freundeskreis aufbauen sollen, Kindergarten, Volksschule, immer mit dem Auto geführt, die meisten noch nie im angrenzenden Wald. Jugendliche, die sich mit der isolierten Lebensweise nicht abfinden und „in die Stadt“ gehen: über die Bahnbrücke, in die Stadtlokale, jede Menge Alkohol und Drogen dort im Angebot. Einkaufszentren sind die Attraktionen für Menschen.

Und jetzt Kinderpastoral.
Zuerst einmal Kontakt aufnehmen, in der Volksschule. Heuer im September war ein Gartenfest: dazu haben wir alle Kinder persönlich eingeladen, einige neue und viele bekannte sind gekommen mit ihren Eltern. Das Fest Garten Eden war für Kinder lustig, frei und spielerisch. Musik, Kinderspiele, Pantomime, Theater vor Publikum, viel Ausgelassenheit.
Taufen in der Sonntagsmesse.
Nach der Predigt gehen die Ministranten, alle Kinder und die Tauffamilien zum Taufbrunnen, Glaubensbekenntnis, Kreuzzeichen, Anrufung der Namensheiligen (die Ministranten kennen schon die korrekten Namen ihrer persönlichen Patronen), Taufe, Salbung, Taufkerze, Taufkleid, Effataritus, Taufprozession durch die Gemeinde, Besprengung mit Taufwasser. Wenn eine Samstagtaufe war, werden die Familien zur Sonntagsmesse eingeladen, um ihr neugetauftes Kind der Gemeinde vorzustellen, und im Hochgebet wird es genannt.
Gottesdienste, in denen sich Kinder wohlfühlen können.
Eine Gemeinde, die sich nicht ärgert über spielende, manchmal quengelnde Kinder. (Das ist noch am Weg) Allmählich haben wir Spielsachen und wache Mitarbeiter, die, wenn eine Mutter überfordert ist, auf das Kind zugehen können und etwas mit ihm anfangen.
Am Samstag nach dem 4. Oktober kommen Kinder mit ihren Haustieren zur Vorabendmesse, denn Franz von Assisi hatte Arme, Kinder und Tiere lieb. Im Advent begleiten wir die heilige Familie auf ihrem langen Weg und sehen sie einmal beim Kirchentor, dann beim Schriftenstand, dann auf den Kommunionsschranken und zuletzt schon beim Eingang zum Stall, den sie erst am heiligen Abend betreten.

Da manche Eltern es unzumutbar finden, dass ihre überlasteten Kinder neben ihrem dreimal wöchentlichen Trainingsterminen auch noch einen Nachmittag zur Erstkommunionsvorbereitung und dann auch noch zur Sonntagsmesse kommen sollen, haben wir eine Drittellösung eingeführt: erstes Drittel NUR Sonntagsmesse, zweites Drittel Gruppenstunden, drittes Drittel NUR Sonntagsmessen. In diesen Messen ist jeweils ein Element, das für die Kinder gestaltet wird, und zwar ein didaktisches Element: Wir begrüßen Jesus mit dem Altarkuß, wir beschenken ihn zu seinem Geburtstag mit Selbstgebasteltem und singen den Neuverheirateten, die zur Hochzeit zu Kana eingeladen sind, ein Liebeslied vor. Wir feiern Gedenktage von Heiligen, z.B. von Blasius, den wir um Heilung bitten.
Bei den Seligpreisungen bitten wir um Gottes Segen für jedes einzelne Kind, durch Handauflegung. In der Gruppenphase gibt es Spiele und Ausflüge, von denen am Sonntag der Gemeinde berichtet wird, allenfalls wird etwas hergezeigt.
Mit dem Palmsonntagsumzug beginnt der letzte Teil, wenn wir mit Jesus in die Stadt kommen. Für den Gründonnerstag schmücken Kinder die Kirche mit ihren Lieblingsgegenständen, einigen werden die Füße gewaschen im Gemeindegottesdienst. Am Karfreitag wird das Kreuz verehrt, auch von Kindern. Wenn es um Nachfolge geht, spielen wir das Nachfolgespiel mit verbundenen Augen, wie blinde Kuh. Und wenn wir zum ersten Mal zur Eucharistie kommen, sind die Kinder bestens vertraut mit der Feier und mit dem Raum – und können nun auch ihre Familie herführen und sie an dem Schatz teilhaben lassen, den sie schon kennen.

Heuer haben wir einen besonders großen Jahrgang: 50 Kinder! Und seit Advent ist immer mehr als die Hälfte der Kinder da. Große Ereignisse waren bisher:
Ein Kind wurde mit verbundenen Augen durch den Altarraum geführt, mit zwei Fingern an der Schulter, kreuz und quer und im Kreis, und zwischen Hindernissen durch. Danach sagte Thomas, er hätte keine Angst gehabt. Denn er sei geführt worden!

Zum Epiphaniefest brachten die Kinder Selbstgemaltes und legten es Jesus in die Krippe – denn er hat ja Geburtstag! Diese Bilder sind jetzt der Türrahmen, durch den die Gottesdienstbesucher die Kirche betreten.

Zur Verkündigung des Engels flüsterte ich einem Kind in der linken Bankreihe einen Satz ins Ohr, und es sollte weitersagen, was es gehört hatte, immer weiter bis zur letzten Reihe. In der rechten Reihe gab es einen anderen Satz. Alle machten da mit, und mit großer Lust! Der letzte in der letzten Bank sagte dann, was er jeweils gehört hatte: einmal hatte es genau gestimmt, das andere Mal stimmte es sinngemäß - da hatte also jemand etwas Falsches oder Unverständliches gehört und daraus aus eigenem Verständnis das Gemeinte ergänzt. Ein Bild für die gemeinsame Verantwortung der ganzen Gemeinde für die Verkündigung des Evangeliums!

Zur Taufe des Herrn dachten wir alle an die eigene Taufe. Die Kinder mit ihren Taufkerzen wurden alle einzeln mit dem Taufwasser bekreuzigt, und danach zogen wir dreimal um die Gemeinde und besprengten alle!

Und an dem Sonntag, da Jesus die Jünger beruft, um sie zu Menschenfischern zu machen, breiteten Jugendliche ein Fischernetz über der Gemeinde aus und zogen es über die Bankreihen hinweg, und die Gläubigen sollten an ihren eigenen Berufungsauftrag denken.

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