kinderliturgie: die populistische versuchung

Menschen sind gerührt, wenn Kinder vorne stehen, mühsam Texte lesen, Tänze vorführen oder Szenen vorspielen. In der Rührung kann Betroffenheit liegen, wenn jemand sich angesprochen fühlt. Oft aber sind Kinder nur niedlich und herzig, und ihre Tätigkeit im Gottesdienst wird nach dem Unterhaltungswert bemessen. Eltern achten darauf, ob ihr eigenes Kind genügend zur Geltung kommt, und Kinder achten darauf, ob sie von ihren Eltern auch gut gesehen werden. Das ist kein liturgischer Dienst an der Gemeinde, sondern Schaustellung.
Noch heikler ist es bei den Verantwortlichen und Gottesdienstleitern: Sie sollen öffentlich tätig sein, ohne sich selbst in Szene zu setzen. Maßgeblich ist dabei nicht, was gut ankommt oder gut aussieht, sondern was liturgisch sinnvoll ist und Menschen für Gottes Wort öffnet. So kann ein sinnbetont gesprochenes Vaterunser u.U. besser mitvollzogen werden als ein schmachtend gesungenes mit einschmeichelnder Melodie. Die Gestaltung beginnt beim Wort Gottes und führt Kinder zum Geheimnis der Eucharistie hin – nicht zu einer liturgischen Sondergestalt, die dann von den Kindern als normal erlebt wird und Erwachsenen als Vorwand für fehlendes liturgisches Verständnis dient.
Einige Beispiele: Der achtjährige Daniel konnte sehr gut spontan Situationen erfassen und sprachlich ausdrücken. So predigten wir oft gemeinsam auf den Stufen vor dem Altar. Beim Hochgebet stehen die Kinder um den Altar und beten mit erhobenen Händen, beim Vaterunser reichen wir einander die Hände, beim Friedensgruß geht der Händedruck vom Priester aus links und rechts reihum. Wenn ein Kind getauft wird, prüfen die Kinder mit der Hand das Wasser, wenn wir die Heiligen rufen, ruft jeder seinen eigenen Namenspatron.
Wir werden dieses Jahr wiederum versuchen, ein Team für Kinderliturgie zustandezubringen. Das Ziel wäre, für jede Sonntagsmesse ein Element für und mit Kindern vorzubereiten. Kinder sollen in jeder Messe angesprochen werden, und das ist nicht allein Sache des Pfarrers. Dagegen lehne ich die sogenannten Kindermessen ab. Das In-Trab-Halten von Kindern durch Aktionismus öffnet kein Geheimnis, weder den Kindern noch der restlichen Gemeinde. Hingegen wird die Erwartung gefördert, etwas geboten zu bekommen, und erfahrungsgemäß gehen viele bald nur mehr zu solchen Veranstaltungen. Ebenso wenig halte ich von der zeitweisen Exkommunikation der Kinder für eigene Wortgottesdienste in Kapelle oder Pfarrsaal. Nicht Abtrennung, sondern Integration soll dargestellt werden. Denn unsere Aufgabe ist, Kinder zur Gemeindeliturgie zu führen und ihnen dort einen Platz zu bereiten.

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