Samstag, 24. Januar 2009

berufung und arbeit

Wieder ins gleiche Bockshorn blasend, tritt nun, zwölf Jahre nach dem Kirchen-Volksbegehren und nach der Pfarrer-Initiative auch eine Laien-Initiative auf, um die Kirche zu erneuern durch ihre medienwirksam inszenierten Forderungen. Ohne solcherart wiederum die Berufungsfrage an Papst und Kirchenbehörde abzuschieben, wäre es aber höchst angebracht und an der Zeit, sich der Berufungsfrage nicht nur in Pressekonferenzen zu stellen, sondern in pastoraler Arbeit.
Eine Berufungspastoral ohne Brechstange wird ein Puzzle aus Initiativen sein, denn auch der Glaubensschwund hat viele Ursachen. In Gemeinden der Hoffnung werden Menschen den christlichen Glauben nicht nur als überkommene Pflicht erfahren, die niemand überzeugend erklären kann, sondern als frohes, guttuendes Ereignis. Dass eine Gemeinde, in der sich selbstbewusste Menschen mit ihren Fähigkeiten frei einbringen, attraktiv ist und ausstrahlt, haben wir an den überwältigend positiven Reaktionen auf die Radiomesse gesehen, und wir erfahren das Sonntag für Sonntag. Weiters ist daran zu arbeiten, auch eine christliche Jugendkultur zu entwickeln, in der junge, suchende Menschen sich angesprochen und voneinander begleitet finden.
Ein weiterer Bereich ist die öffentliche Meinungsbildung. Hier sollte die vorherrschende Skepsis gegenüber religiösen Themen nicht unwidersprochen hingenommen werden. Der letzte Kritische Oktober sowie das laufende Veranstaltungsprogramm des Katholischen Akademikerverbands enthält pointierte Statements dazu. Auch in dieser medialen Öffentlichkeit soll durch gelebtes Beispiel und vernünftiges Argument überzeugt werden, und die Chancengleichheit ist unbedingt einzufordern.
Eine der Qualitäten geistlichen Lebens ist aber auch, Fragen ehrlicher und gerechter Lebensführung aufzubringen, und nicht nur bei Jugendlichen. Der Umgang mit den Schätzen der Erde kann nicht bloß wirtschaftlichen und machtpolitischen Einflüssen überlassen bleiben, und politische Parteien und Massenmedien können nicht die einzigen Instanzen der Meinungsbildung sein. Die Begegnung mit den Armen ist nach wie vor ein Grundfaktor christlichen Lebens, an dem wir uns zu bewähren haben.
Wenn Formen religiösen Lebens bei Erwachsenen und Kindern, Zölibatären und Eheleuten, im Privatbereich, in freien Zusammenschlüssen und in der Öffentlichkeit von Dorf und Stadt wieder jung und lebendig werden, dann wird auch wieder neue Strahlkraft von ihnen ausgehen. Dann wird sich auch wieder herausstellen, dass der Priester nicht bloß Servicegehilfe für die eigenen Bedürfnisse des bürgerlichen Lebens ist, sondern ein Gesandter, der zu Umkehr mahnt angesichts des nahen Gottesreiches. Übrigens täte sich der Zölibatäre leichter, wenn die Gesellschaft wieder partnerschaftlicher würde, denn allein gelassen mit ihren Bedürfnissen und Entscheidungen lebt ja die Mehrzahl der Menschen. Und gerade an den Kämpfen der vielen Alleingelassenen und Überforderten – auch der mit dem christlichen Glauben Überforderten – zeigt sich umso mehr der Segen einer geistlichen Lebensform, die Christus zum Thema und Inhalt hat.
Es ist niemand anderer als Gott, der für Berufungen sorgt – aber wir werden initiativ, um die Rufe hörbar zu machen, nicht durch Forderungen an Ohnmächtige, sondern indem wir auf neuen Wegen schreiten, neue Gedanken denken und neue Allianzen schmieden.

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