Dienstag, 19. August 2008

In seinem Element

Vielleicht koennte das ein Schluessel sein zu dem, was ein "geistlicher Beruf" bedeutet: Dieses Schweben zwischen Himmel und Erde wie im Netz, in dem man hunderte Meter entlang des Felsens hochgezogen wird zu den Meteora-Kloestern. Oder das Bewusstsein, dass Wasser traegt und begehbar ist, sodass man das Boot zu verlassen bereit ist.
Aber das alles ist nicht bloss ein Entschluss, der Beschluss, ein Wagnis einzugehen. Ganz deutlich ist in beiden Bildern die Gegenkraft, von der einer entgegen aller Erfahrung erfasst wird. Und beide Male ist es ein Vektor, der nach oben weist.

Natuerlich besteht der Stoff eines Priesterlebens in der Liebe zur Eucharistie, im Umgang mit den Menschen, in der Treue zum Gebet oder in organisatorischen Faehigkeiten, verbunden mit innerer Festigkeit und der Hinordnung auf das Kirchenganze. Aber sind das nicht die Eigenschaften innerhalb des Bootes? Seemaennische Faehigkeiten. Das Geistliche aber ist das Hinausgehen aufs Wasser, auf den Zuruf hin.

Vielleicht erklaert sich so, warum der Anteil von Reflexionsverweigerern, Unangepassten oder Gottesnarren seit Jahren immer groesser wird. Unter den Kandidaten immer mehr solche sind, die lange Zickzackwege hinter sich haben, auch manche Scheitergeschichte. Natuerlich muss geprueft werden, ob nicht gerade noch die buergerlichen Sicherheiten des Berufs wie eine Planke sind, nach der der Ertrinkende greift. Ob nicht vielleicht auch die Amtierenden sich zu sehr von diesen Sicherheiten bestimmen lassen und dadurch den Gemeinden ein entsprechendes Bild von Amt einpraegen. Denn der Schwankende, Irrende und Wagende kann gerade das gelernt haben, sich schnellstens vor dem naechsten Wellengang ein festes Stueck zu ergreifen und sich daran festzuklammern: ein fester Gebetsrhythmus oder die Zuneigung von Menschen -- oder aber er hat das Element selbst kennen gelernt, auf dem das Boot schaukelt, und geht zuweilen darauf ein paar Schritte.

Um dem Bild einen Rahmen zu geben, ist zu sagen, dass dieses elementar Geistliche natuerlich keineswegs auf ein bestimmtes Amt beschraenkt ist. Schon die Verheissung, die Brautleute einander sind, verweist sie auf das Wasser hinaus, auch der Mut, Kindern Leben zu schenken, auch andere verantwortliche gesellschaftliche Aufgaben. All das steht ja dem extremen Individualimus entgegen, mit dem unsere Zeit dem Menschen eine Palette von Wahlmoeglichkeiten aller Eventualitaeten bereitstellt und damit das Boot mit Decks und Aufgaengen vollraeumt, bis jeder seine eigene Abteilung hat. Aber vom Walten des Elements ist das alles gleich nahe oder gleich weit entfernt.

aus Delphi

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