Samstag, 22. März 2008

Neue Musik zu Christi Himmelfahrt

Jahrhunderte lang wurde Kunst hauptsächlich von der Kirche gefördert und gefordert. Das galt in Malerei und Architektur, und ganz besonders in der Musik. In der Kirche war Kunst heimisch, durch sie ist sie im Abendland groß geworden und zu einem selbstverständlichen Ausdrucksmittel. Und weil Kunst sich immer weiter entwickelt, mit den technischen Fortschritten und mit den Herausforderungen dessen, was darzustellen ist, war auch jeweils die modernste Kunst in der Kirche. Hier lernte man sich gewöhnen an neue Klänge, neue Farben, neue Formen.

Nur im 20. Jahrhundert hat das aufgehört. Neue Entwicklungen in den Künsten verloren Anschluss an das gesellschaftliche Empfinden, der Geschmack orientierte sich an den großen Werken der Vergangenheit. Das wird mit Veränderungen im Kunstbetrieb zu tun haben, aber auch mit gesellschaftlichen Veränderungen hin zu einer Massenkultur.

Aber man braucht sich nicht mit allem abfinden. Da und dort besinnt Kirche sich wieder auf ihre fördernde Aufgabe. In einigen Zentren ist wieder neue Musik zu hören, in Millstadt, in Ossiach, im Klagenfurter Dom – und in Völkendorf. Und diesmal ist es ein gestandener Kirchenmusiker, der komponiert für die Festmesse Christi Himmelfahrt: Dr. Orthulf Prunner, Dekanatskantor und Organist in der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Im Interview nahm er zu seiner Komposition Stellung.

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Herr Dr. Prunner, das Fest Christi Himmelfahrt hat einen bestimmten Inhalt. Der menschgewordene Gott, der den Tod erlitten und besiegt hat, wird in den Himmel aufgenommen, d.h. er entzieht sich der Sichtbarkeit. Wie soll dieser „Dimensionenübertritt“ in der Musik dargestellt werden?

"Durch ein stetes Ansteigen. Nicht in dem Sinne, dass die Töne immer höher werden, bis man sie nicht mehr hören kann (das war die Methode der Obertonmusik, die Bruno Strobl 2002 für die Christi Himmelfahrtsmesse gewählt hat. Anm. P.D.), sondern durch den Kontrapunkt, also eine Aufwärtsbewegung in verschiedenen Stimmlagen."

Eine Frage heutiger Menschen ist: Wo ist der Himmel, wo ist Gott? Für diese Messe: Wohin geht Christus, wenn er zum Vater heimkehrt?

"Mitten unter euch, sagt Jesus. Ich bin bei euch alle Tage, hat er gesagt. Das ist mein Grundgedanke. Die Musik wird in die Gemeinde hinein gestreut. Das soll erreicht werden, indem Instrumentalisten rund um die Gemeinde platziert werden, und, indem der einzelne unmittelbar berührt wird.
Es gibt also zwei korrespondierende Bewegungen in dieser Messe: Zu den Menschen als Einzelne und als Gemeinde, und nach oben – ausgedrückt durch Orgel und Chor auf der Empore."

An welche musikalische Grundstruktur ist gedacht, und an welche Instrumentierung?

"Es wird eine gregorianische Messe, mit Orgel, Choralschola und Oboe, und zwar eine Alternatin-Messe. Mein Vorbild ist Jean Nicolas Grigny. Ich selbst werde an der Orgel sein, die Schola Michaelis wird singen mit einigen Solisten."

Wir freuen uns auf diese Messe!


Hörbeispiel:
http://www.kath-kirche-kaernten.at/upload/44591_Einzug.VIRII%20GALILAEI.mp3

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